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Was ist Glück? 2 interessante Perspektiven auf das Glücklichsein

Was ist Glück? 2 interessante Perspektiven auf das Glücklichsein

Was ist Glück? Ein einfaches Wort, oft im Alltag gebraucht. Wir beglückwünschen uns zu besonderen Anlässen, wir wünschen uns Glück vor wichtigen Prüfungen und manche von uns tragen Glücksbringer bei sich.
Der Duden schreibt dem Glück drei Bedeutungen zu.

  1. das Ergebnis des Zusammentreffens günstiger Umstände, eine günstige Fügung des Schicksals
  2. Personifiziertes Glück, Fortuna
  3. eine angenehme Gemütsfassung, der Zustand innerer Befriedigung und Hochstimmung

Doch kann Glück überhaupt definiert werden? In diesem Beitrag nähern wir uns einer Definition von Glück durch verschiedene Perspektiven. Außerdem klären wir die Frage, ob und wie Glück eingefangen werden kann.

Perspektiven von Glück

Was Glück ausmacht und wie es sich letztlich nicht nur definieren, sondern auch spüren lässt, ist oftmals sehr individuell. Wir wollen in diesem Beitrag zunächst die philosophische Auffassung von Glück erkunden und begeben uns dann zur subjektiven Auffassung von Glück.

Sicherlich ist das allgemeine Verständnis von Glück auch geprägt durch Kultur, Gesellschaft und Zeit. So können große Ereignisse wie Kriege oder Pandemien das allgemeine Wohlbefinden stören, da sie finanzielle und gesundheitliche Sicherheit bedrohen. Auch private Schicksalsschläge und Stress können das eigene Glück mindern.

Die philosophische Auffassung von Glück

Viele Philosophen beschäftigten sich bereits vor Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten mit der Frage nach dem Glück. Schauen wir uns nur ein paar der berühmte Zitate an:

Glück ist das einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt.

Albert Schweitzer

Seine Äußerung legt nahe, dass Glück weitergegeben kann. Dass wir es unter uns aufteilen und sogar mehr Glück empfinden, wenn jemand anders auch glücklich gemacht wurde.

Nicht die Glücklichen sind dankbar. Es sind die Dankbaren, die glücklich sind.

Sir Francis Bacon

Auch ein interessanter Gedanke von Sir Francis Bacon, einem von 1561 bis 1626 lebenden englischen Philosophen. Seiner Annahme nach trägt Dankbarkeit dazu bei, das eigene Glücksempfinden zu steigern.

Glück kann von einer philosophischen Perspektive aus stundenlang diskutiert und zerpflückt werden. So kann es als rein subjektive und individuelle Erfahrung gesehen werden, die von Mensch zu Mensch komplett unterschiedlich ausfällt. Gleichauf kann Glück nicht nur wie laut Duden als “angenehme Gemütsfassung” aufgefasst werden, sondern ergibt sich als dauerhafter Zustand, wenn eine Person ihre Wünsche, Potenziale und Hoffnungen befriedigt hat. So wäre Glück eine Art übergeordneter Zustand, der ungeachtet von Gefühlen existieren kann.

Die subjektive Auffassung von Glück

Subjektives Glück oder auch subjektives Wohlbefinden kann jede*r auf die eigene allgemeine Lebensvorstellung beziehen, beziehungsweise aus der Wahrnehmung mehrerer Lebensbereiche (vgl. Mayerl 2001, 4). Und mit dieser ersten Annäherung an den Begriff können wir uns auch verschiedene Studien wie den World Happiness Report und den SKL Glücksatlas ansehen.

Glück-Grafik vom Glücksatlas
Quelle: SKL Glücksatlas (2022) Online verfügbar unter: https://www.skl-gluecksatlas.de/artikel/deutschlands-gluecksniveau-erholt-sich-nur-leicht.html (24.10.2023).

In der Erhebung von Deutschland zeigt sich, dass Probleme, die die gesamte Gesellschaft betreffen, das allgemeine Glück mindern. So waren 2020 und 2021 im Zuge der Pandemie die Werte deutlich eingesunken. Dabei gab es auch einige Bevölkerungsgruppen, die unter der Pandemie stark gelitten haben und ihre Lebenszufriedenheit nun wieder aufbessern konnten (vgl. ebd.). Gerade Frauen und junge Menschen haben durch die Kontakteinschränkungen und den damit einhergehenden Maßnahmen wie Homeschooling und der Doppelbelastung von Beruf und Kinderbetreuung einige Punkte in ihrer Lebenszufriedenheit eingebüßt (vgl. ebd.).

Auch die internationale Datenerhebung vom World Happiness Report zeigt auf, dass die Bevölkerung nur hohe Werte an Lebenszufriedenheit und Glück besitzt, wenn die Menschen dort im Grunde gesund, sozial und wohlhabend sind (vgl. Sustainable Development Solutions Network, 2). Auf der individuellen Ebene können die Werte allerdings abweichen und gerade auch Personen, die viel geben und “tugendhaft” leben, sind unzufrieden mit ihrem Leben (vgl. ebd.).

Was jedoch auf ganz persönlicher Ebene geschieht, ist das Glück, was wir am meisten beeinflussen können. Hobbys, Haustiere, Reisen und Freunde und Familie können Gründe sein, warum wir uns glücklich und zufrieden fühlen. Hier lohnt es sich, einmal ganz genau hinzugehen und zu erörtern, welche Aspekte im Leben diejenigen sind, die das Wohlbefinden steigern.

Kann man glücklich sein üben?

Auch, wenn es oft so wirkt, als wäre das Glück nur an äußeren Umständen geknüpft, die sich kaum bis gar nicht beeinflussen lassen, so ist es doch möglich, das Glücklichsein zu trainieren. Die eigene Einstellung und die Kompetenz, mit Schwierigkeiten umzugehen, kann verändert und erlernt werden. Achtsamkeitsübungen, ein gesundes Maß an positivem Denken und eine gesunde und bewusste Lebensführung tragen dazu bei, die Fähigkeit, Glück zu empfinden, zu verbessern. Auch ein stabiles und liebendes Umfeld, sowie der individuell gefundenen Bedeutung im Leben kann dabei helfen, Glücksgefühle zu fördern.

Wie Glück entsteht

Glückshormone sind im Gehirn dafür verantwortlich, dass das positive Gefühl entsteht. Drei der Neurotransmitter sind am bekanntesten: Serotonin, Endorphin und Dopamin (vgl. Stoll 1997, 10). Auch Noradrenalin, Phenethylamin und Oxytocin zählen dazu (vgl. ebd.). Schauen wir uns die bekanntesten Hormone an.

Serotonin

Serotonin ist ein weiterer wichtiger Transmitter, welcher in unserem Gehirn Informationen weitergibt und diverse Prozesse beeinflusst (vgl. ebd.). Die Stimmung wird von dem Hormon genauso beeinflusst wie der Antrieb, Appetit und Schmerzen (vgl. ebd.) Auch das zentrale Belohnungssystem im Gehirn wird durch Serotonin gelenkt (vgl. ebd.). Durch den Botenstoff wird Gelassenheit und Ruhe wahrgenommen (vgl. ebd.) In der Forschung wird davon ausgegangen, dass ein niedriger Serotoninspiegel mit psychischen Erkrankungen zusammenhängen kann (vgl. ebd.).

Dopamin

Dopamin ist ein Neurotransmitter und sorgt dafür, dass im Gehirn Gefühle und Empfindungen weitergeleitet werden (vgl. ebd.). Zudem ist seine Aufgabe, die Durchblutung innerer Organe zu steuern und Muskelimpulse zu geben (vgl. ebd.). Es wirkt stimmungsaufhellend, antriebssteigernd und motivierend (vgl. ebd.). Und genau dies macht es zu einem der Glückshormone.

Endorphin

Endorphin ist eine Wortzusammensetzung aus “endogen” und “Morphin” und bedeutet übersetzt “körpereigenes Schmerzmittel” (vgl. ebd.). Endorphine regulieren das Schmerzempfinden, Hungergefühle, unsere Stimmung und die Produktion von Sexualhormonen (vgl. ebd.). Dementsprechend sind sie auch daran beteiligt, Euphorie entstehen zu lassen (vgl. ebd.).

Übungen für mehr Glücksgefühle

Auch wenn wir mit unkontrollierbaren Umständen konfrontiert werden, ist es möglich, die eigene Einstellung so zu beeinflussen, dass wir wieder glücklicher werden. Hier möchten wir ein paar Übungen vorstellen, die Glücksgefühle auslösen können.

  • Dankbarkeitstagebuch

Ein Dankbarkeitstagebuch hilft dabei, die Dinge zu erkennen, die für Glück sorgen. Oftmals gehen sie in der Alltagshektik unter. Wenn du dir jeden Abend die Zeit nimmst, drei gute Dinge aufzuschreiben, kannst du langfristig merken, dass sich dein Denken verändert. Überlege am Tagesende, was heute Gutes passiert ist. Hast du zum Beispiel heute ein besonders leckeres Essen gegessen? Hast du dich nachmittags mit Freunden zum Kaffeetrinken getroffen?
Dies sind Gründe, für die du dankbar sein kannst. Sei dir selbst dankbar, dass du auf dich geachtet hast und deine Bedürfnisse und Wünsche erfüllt hast.

  • Empathieübungen

Sich selbst und anderen Menschen gegenüber mitfühlend zu sein, kann auch das Glück steigern. Immerhin fühlen wir uns durch Empathie auch miteinander verbunden. Zudem können auch die eigenen Gefühle besser verstanden werden, wenn wir uns selbst gegenüber empathisch sind.

Es kann durchaus hilfreich sein, mittels eines Briefs, einer Liste, Tabelle oder einer Geschichte aufzuschreiben, welche Bedingungen uns in der aktuellen Situation belasten, wie wir uns damit fühlen und wie wir uns vorstellen könnten, die Belastungen und Probleme zu lösen. Dabei werden die Gefühle nicht unverarbeitet verdrängt. Dass ihnen der nötige Platz eingeräumt wird, kann sogar hilfreich sein und dafür sorgen, dass sie nicht irgendwann zu unpassender Stelle herausplatzen. Eine Reflexionsübung wie diese kann also auch glücklich machen.

  • Selbstwirksamkeit

Nicht immer ist alles unkontrollierbar. Wenn wir es schaffen, an die eigene Selbstwirksamkeit zu glauben, können wir uns auch glücklicher fühlen. Immerhin fühlen sich Menschen mit höherer Selbstwirksamkeit nicht handlungsunfähig, wenn ihnen Hindernisse in den Weg gestellt werden.

Selbstwirksamkeit schafft das Selbstvertrauen, sich aus Situationen zu lösen und darauf zu vertrauen, dass nicht alles jederzeit geplant werden muss. Sie wissen, dass sie auch noch dann handeln können, wenn das Worst-Case-Szenario aufgetreten ist.

Erinnere dich doch einmal an eine schwierige Situation wie ein Streitgespräch oder ein anderweitiger Konflikt. Wie hast du diese Situation gemeistert? Was sind die Fähigkeiten, die dir dabei geholfen haben, mit dem Stress umzugehen? Es kann helfen, wenn du dir alles genau notierst, um vor Augen zu haben, was du eigentlich leisten kannst.

FAQ – Häufig gestellte Fragen

Wie entsteht Glück im Gehirn?

Es gibt Neurotransmitter wie Dopamin, Serotonin und Endorphine, welche die Stimmung maßgeblich beeinflussen. Durch sie können Glücksgefühle hervorgerufen werden.

Welches Glück macht am glücklichsten?

Dies kann ganz individuell ausfallen. Denn wir Menschen haben durchaus andere Auffassungen von Glück. Letztlich gibt es aber gewisse Grundbedürfnisse, die mindestens gedeckt sein müssen, damit Glück und Wohlbefinden empfunden werden können.

Was ist Glück?

Diese Frage lässt sich auf verschiedenen Ebenen beantworten. Was für eine Person Glück ist, ist für die andere nichts. Dementsprechend kann Glück bedeuten, dass man selbst und alle Liebsten gesund sind und es an nichts mangelt. Andere Personen empfinden Glück, wenn sie sich individuelle Ziele und Träume erfüllen konnten. Allerdings lässt sich Glück auch trainieren.

Literatur

Duden (o.J.): Glück. https://www.duden.de/rechtschreibung/Glueck (25.10.2023).

Mayerl, Jochen (2001): Ist Glück ein affektiver Sozialindikator subjektiven Wohlbefindens? Dimensionen des subjektiven Wohlbefindens und die Differenz zwischen Glück und Zufriedenheit. In: Schriftenreihe des Instituts für Sozialwissenschaften der Universität Stuttgart 4/2001, S. 1-24.

SKL Glücksatlas (2022): Deutschlands Glücksniveau erhöht sich nur leicht. Online verfügbar unter: https://www.skl-gluecksatlas.de/artikel/deutschlands-gluecksniveau-erholt-sich-nur-leicht.html (25.10.2023).

Sustainable Development Solutions Network (2023): The World Happiness Report. Online verfügbar unter: https://worldhappiness.report/ed/2023/ (24.10.2023).

Stoll, Oliver (1997): Glückshormone – Gibt es sie wirklich? In: Endorphine, Laufsucht und Runner’s High. Aufstieg und Niedergang eines Mythos. Leipziger Sportwissenschaftliche Beiträge 28,1, 102-121. Online verfügbar unter: https://www.dshs-koeln.de/fileadmin/redaktion/Aktuelles/Publikationen_und_Berichte/Publikationen/Zeitlupe/1_2022/Glueckshormone.pdf (24.10.2023).

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